Wahlergebnis in Indien – wir Teilen die Sorgen unserer indischen Partner

Den überwältigenden Sieg der hindunationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) bei den Parlamentswahlen in Indien sehen unsere indischen Freundinnen und Freunde mit großer Besorgnis. Als religiöse Minderheit fürchten sie um ihre Rechte und warnen vor einem Wandel Indiens von einer säkularen Demokratie hin zu einem hindunationalistischen Staat. Viele Christen gehören zu den Dalits – den Kastenlosen und damit zu den Ausgestoßenen und Unterdrückten im hinduistischen Kastendenken. In einer Pressemitteillung greift Kirchenpräsident Dr. Jung diese Besorgnis auf.

IMGP0591Pressemitteilung 66 / 2014

Kirchenpräsident besorgt über 

Lage der Christen in Indien

Nach nationalistischem Wahlsieg Repressionen befürchtet

Darmstadt, 19. Mai 2014. Besorgt über die Situation der Christen in Indien hat sich der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, gezeigt. „Ich nehme das Wahlergebnis in Indien mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis und teile die Sorgen unserer Partner in den indischen Kirchen“, sagte Kirchenpräsident Volker Jung am Montag in Darmstadt in einer Stellungnahme zur Wahl im größten demokratischen Staat der Welt. Unter der Führung von Narendra Modi und seiner hindunationalistischen Partei Bharatiya Janata Party (BJP) hatte das Oppositionsbündnis National Democratic Alliance (NDA) Ende vergangener Woche die Wahlen in Indien gewonnen. Die EKHN unterhält enge Partnerschaften zur südindischen Kirche und zu Christen im nordindischen Amritsar an der Grenze zu Pakistan.

Die Minderheiten in Indien, vor allem Muslime und Christen, „haben Angst vor einer Regierung unter der Führung von Narendra Modi“, erklärte Jung. Der Politiker sei Mitglied der sogenannten „Nationalen Freiwilligenorganisation“ (RSS). Diese paramilitärisch organisierte Gruppierung mit mehreren hunderttausend Mitgliedern stellt nach Jung die säkulare Grundlage der indischen Verfassung in Frage und sei bekannt für ihre antichristliche und antiwestliche Haltung. Kirchenpräsident Jung habe bereits Kontakt zuden Bischöfen den indischen Partnerdiözesen der EKHN  aufgenommen, die ebenfalls Repressionen befürchteten.

Nach Angaben Jungs sieht etwa der Moderator der Church of South India und Bischof der hessen-nassauischen Partnerdiözese Krishna-Godavari, Dr. Govada Dyvasirvadam, „große Probleme auf die indischen Christen zukommen“. Er befürchte, dass „die besonderen Rechte der Minderheiten in Indien – zu denen auch die Christen gehören – eingeschränkt oder gar ganz abgeschafft werden.“ Der indische Bischof sei außerdem in Sorge, dass die Anhänger der militanten hindunationalistischen Organisationen nun verstärkt religiöseMinderheiten mit Gewalt bedrohen könnten.

Nach Angaben Jungs komme der Wahlsieg der BJP für Pradeep Kumar Samanatroy, Bischof der hessen-nassauischen Partnerdiözese Amritsar und stellvertretender Moderator der Church of North India, nicht überraschend. Die Wirtschaft freue sich zwar auf die neue Regierung. Gleichzeitig befürchte der Bischof, dass „die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung auf Kosten der Armen geht“, so Jung. Dies sei auch die Ansicht von Bischof Dr. George Daniel, von der Partnerdiözese East Kerala so. Er bitte wie die anderen Bischöfe auch „um unser Gebet für Indien“.


Kirchenpräsident Dr. Jung wies auch daraufhin, dass viele Inder vermuteten, Modi könne in der Außenpolitik einen härteren Kurs einschlagen. Dazu gehöre möglicherweise auch der bisherige Verzicht auf einen atomaren Erstschlag, der bisher zu Indiens Verteidigungsdoktrin gehört habe. Damit könnte Stärke gegenüber Pakistan und China gezeigt werden. Dies gelte es genau zu beobachten. Kirchenpräsident Jung hoffe aber, dass die neue Regierung – auch in der Kaschmirpolitik – „auf Gespräche und Dialog setzt und dass die neue Regierung an den demokratischen und säkularen Traditionen Indiens festhält und im Interesse aller Menschen in Indien handelt“.

 

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