Erinnerungen an die Ostdenkschrift

Neun Tage vor meinem siebten Geburtstag ist sie erschienen: die Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland „Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn.“ Zum 50-jährigen Jubiläum dieser Denkschrift hat die Lutherische Kirche Polens – Partnerkirche der EKHN – unter der Schirmherrschaft des Polnischen Präsidenten zu einer eindrucksvollen Konsultation nach Warschau eingeladen.

Die Referentinnen und Referenten, darunter Zeitzeugen wie der ehemalige Ministerpräsident Polens Jerzy Buzek, der ehemalige Katholische Primas von Polen Józef Muszyński und der ehemalige Außenminister Polens Wladyslaw Bartoszewski haben uns Teilnehmenden in die Tragweite und Bedeutung dieser Denkschrift eindrucksvoll eingeführt. 1965 war es ein sehr mutiger Schritt, diese Denkschrift mit ihren neuen Zugängen zum Verständnis von Heimat und Ihrer Forderung nach Versöhnung und Vergebung zu veröffentlichen. Damals gab es in der Öffentlichkeit heftige Reaktionen und Angriffe gegen Positionen in der Denkschrift.

Die leidvolle Geschichte deutscher Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber dem immer wieder seiner politischen Selbständigkeit beraubten polnischen Volk und die völkerrechtswidrige Behandlung, die dieses Volk während des Zweiten Weltkrieges auf Anordnung der nationalsozialistischen Staatsführung erfuhr, stellt uns heute unausweichlich vor die Frage, ob sich daraus nicht politische, vielleicht aber auch völerrechtliche Einwendungen gegen einen deutschen Anspruch auf unverminderte Wiederherstellung seines frühren Staatsgebietes ergeben.“ (aus der Denkschrift)

Die Verfasserinnen und Verfasser waren sehr mutig. Alle Referierenden auf der Konsultation waren sich darin einig, dass diese Denkschrift den Grundstein für die spätere Ostpolitik Willi Brandts gelegt hat! Auch heute noch lohnt sich eine Lektüre dieser Denkschrift.

 

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