Die grüne Seele Hanois

Die künftige Rolle einer Zivilgesellschaft im kommunistischen Vietnam und die Bedeutung der sozialen Netzwerke wie Facebook war in den letzten Tagen immer wieder Gesprächsthema.

Anlass war eine spontane Protestbewegung Ende März in Hanoi, die sich über Facebook organsierte. Die Kommunalverwaltung hatte beschlossen Teile des alten Baumbestandes in den Straßen von Hanoi zu fällen. Das traf auf heftigen Wiederstand in Teilen der Bevölkerung. Es wurden kritische Fragen gestellt: wer verdient am Verkauf des Holzes? Sind die Bäume wirklich krank?

Dazu ein Artikel aus der tageszeitung vom 31.03.2015

Städtischer Kahlschlag löst Proteste aus

VIETNAM In Hanoi erreicht eine Facebookgruppe, dass Plan zum Fällen von Bäumen ausgesetzt wird

BERLIN taz | In Vietnams Hauptstadt Hanoi haben am Sonntag Dutzende Menschen gegen die geplante Abholzung von 6.700 der 29.600 Stadtbäume protestiert. Laut einem Augenzeugen zogen 150 bis 200 Demonstranten mit Schildern, auf denen sie zum Schutz der Bäume aufriefen, durch die Straßen. Die Polizei ließ sie gewähren.

Proteste sind in dem autoritären Einparteienstaat selten und aus Angst vor Repression traditionell klein. Zuletzt richteten sie sich meist gegen chinesische Gebietsansprüche. Im Mai 2014 gab es dabei gewalttätige Ausschreitungen mit Toten, bevor die im Umgang mit China uneinige Regierung durchgriff.

Am Sonntag nutzten die Demonstranten die Anwesenheit von 600 Parlamentariern aus 113 Staaten in der Stadt. Die Abgeordneten nehmen an einer Tagung der Interparlamentarischen Union (Motto „Für Demokratie. Für jeden“) teil. Hanoi wollte die Abgeordneten wohl nicht mit der Festnahme friedlicher Umweltschützer verschrecken. „Die Demonstranten nutzten das sehr geschickt“, meinte der Augenzeuge.

Die Proteste begannen, als vor eineinhalb Wochen die ersten 500 Bäume abgeholzt wurden. Viele der Bäume stammen noch aus der französischen Kolonialzeit. Sie sind Klimaanlagen der einfachen Leute und tragen zu Hanois einzigartigem Flair bei. Die Stadt argumentiert, die Bäume seien krank und würden aus Sicherheitsgründen beseitigt. Sie würden neu gepflanzt. Viele trauen dem nicht. Niemand glaubt, dass so viele Bäume krank seien, so der Augenzeuge. Auch kann die Stadt nicht sagen, wer für das Holz kassiert.

Eine Facebookgruppe „6.700 Menschen für 6.700 Bäume“ erhielt in wenigen Tagen 61.000 Likes und mobilisierte die Zivilgesellschaft. Vor einer Woche protestierten erstmals mehrere hundert Menschen, obwohl zuvor der Vorsitzende des Hanoier Volkskomitees das Abholzen ausgesetzt hatte. Die Regierung versuchte früher, Facebook zu blockieren. Doch im Januar forderte Regierungschef Ngyuen Tan Dung die Behörden auf, mehr über soziale Medien zu kommunizieren. Jetzt hätte schon Transparenz geholfen. Einsame Regierungsentscheidungen fördern Misstrauen. Weil Baumschutz als unpolitisch gilt, wagten jetzt mehr Bürger als sonst den Protest. SVEN HANSEN

 

 

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