Solidarität mit Flüchtlingen auf Lesbos

Auf dem Kirchentag gibt es Taschen, von Flüchtlingen auf Lesbos hergestellt aus Rettungswesten! Ein Projekt, das von der EKHN unterstützt wird. Zu kaufen in den Messehallen im City Cube, Ebene 2, Halle B.

Über 5000 geflüchtete Menschen befinden sich auf der Insel und ringen mit ihrer letzten Hoffnung. Sie können weder weiter -noch zurückkommen. Die Zahl steigt stetig, weil immer noch Flüchtlinge ankommen. Immer mehr Geflohene beantragen Asyl in Griechenland, so dass der Bedarf an Hilfen zur Integration stetig steigt.
In dieser schwierigen Schwierigen Situation haben sich zwei Nichtregierungsorganisationen zusammengetan und ein Projekt für diese geflohenen und auf Lesbos gestrandeten Menschen initiiert, das psychosoziale Unterstützung, rechtliche Beratung, Bildung für Kinder und Erwachsene, kreative Aktivitäten und einen Austausch mit der lokalen Bevölkerung schafft. So fanden sich im Sommer 2016 die griechische Organisation Lesvos Solidarity mit der in Deutschland ansässigen Organisation Borderline-europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V. zusammen, um das „Mosaik Support Center“ zu gründen

Borderline Europe ist ein Verein, der sich gegen die europäische Abschottungspolitik engagiert. 2012 erhielt er den Aachener Friedenspreis. 2015 setzte Borderline Boote an der Küste vor Lesbos ein, um schiffbrüchige Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Um diese Aktion zu finanzieren, wurde zu Spenden aufgerufen. Als im Frühjahr 2016 immer weniger Flüchtlingsboote in Lesbos ankamen und die Rettungsschiffe nicht mehr eingesetzt werden mussten, beschloss Borderline, dieses für die Rettung der Flüchtlinge auf dem Weg nach Lesbos gespendete Geld für die Flüchtlingsarbeit auf Lesbos – konkret für das „Mosaik Support Center für Flüchtlinge und lokale Bevölkerung“ zu nutzen. Diese Gelder werden in den kommenden Monaten aufgebraucht sein.

Vor vier Jahren hatte Efi Latsoudi gemeinsam mit anderen Freiwilligen als ‚Lesvos Solidarity‘ auf der Insel Lesbos das selbstorganisierte Flüchtlingscamp PIKPA gegründet. Sie wollten nicht länger mit ansehen, dass Flüchtlinge schutzlos in den Straßen von Lesbos schlafen mussten. In dem Camp PIKPA finden vorrangig traumatisierte Frauen und Kinder eine Bleibe. Da sich die Dauer des Aufenthalts der Flüchtlinge auf Lesbos immer weiter ausdehnte, wurde auch für Lesvos Solidarity das Engagement für die Integration und Bildung der Flüchtlinge immer dringlicher, so dass sie sich an der Gründung des „Mosaik Support Centers“ beteiligen.

Das Mosaik Support Center bietet Geflüchteten Bildungsmöglichkeiten, psychosoziale Hilfe, kreative Aktivitäten und Rechtsberatung. Durch Kultur- und Bildungsangebote werden Integrationsprozesse erleichtert und unterstützt, ohne dass die einzelne Person aus dem Blick gerät.
Die Angebote richten sich an Geflüchtete und Einheimische.
Die geflohenen Menschen kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, dem Irak und afrikanischen Ländern wie Eritrea, dem Niger oder der Zentralafrikanischen Republik – um nur einige zu nennen.
Sprachunterricht – vor allem Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene und Griechisch – sowie kreative Workshops werden neben der Rechtsberatung am meisten nachgefragt.

Zurzeit sind es Web-, Schmuck-, und Upcycling-Workshops, die erfolgreich TeilnehmerInnen anziehen. KünstlerInnen stellten sich als Freiwillige zur Verfügung und führten talentierte Flüchtlinge in die Fertigkeiten ein, so dass einige von ihnen inzwischen selber diese Workshops anbieten und einen Teil ihres Lebensunterhalts selbst verdienen. Damit beginnen sie, aus dem Kreis des Wartens und der Abhängigkeit auszubrechen.

Der Taschenworkshop
Besonders positiv hat sich der Upcycling-Workshop entwickelt, in dem aus gebrauchten und an den Stränden (in großen Mengen) zurückgelassenen Rettungswesten Taschen hergestellt werden.
Die Idee der Taschenherstellung gründet in der Arbeit von Lesvossolidarity. Design und Qualität der Produkte wurden verbessert und von der Designerin und Schneiderin Matina Kontilontes aus Lesbos professionalisiert. Sie leitet die Näh-Workshops und arbeitet mittlerweile kontinuierlich mit zwei griechischen Mitarbeitenden sowie vier Männern und Frauen, die als Flüchtlinge nach Lesbos gekommen sind in einem Raum im MOSAIK-Center. Die Fertigkeiten der mitarbeitenden NäherInnen wurden ausdifferenziert und aufgrund der hohen Routine gefestigt. Die Nachfrage steigt ständig an und führt dazu, dass die als Flüchtlinge an der Herstellung beteiligten Personen sich immer stärker in einem professionellen Arbeitsprozess wiederfinden, der ihnen ein Einkommen und stärkere Unabhängigkeit verschafft.

Nach Auskunft von Lesvossolidarity gehen 50% des Verkaufs einer Tasche an die Deckung der Sozialversicherungskosten, die Bezahlung der Mitarbeitenden und Materialzukauf (Reißverschlüsse, Innenfutter etc.). 20% werden für Benzinkosten zum Einsammeln und Reinigen der Schwimmwesten und für Strom/-Energieverbrauch im MOSAIK-Center benötigt. Die verbleibenden 30% werden für anstehende Ausgaben der beiden Lesvossolidarity-Projekte MOSAIK und PIKPA verwendet.

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