Begegnungen am Rande

Wir sind jetzt fast eine Woche im Iran unterwegs. Die letzten Tage waren wir in Kerman. Eine der wichtigen Städte entlang der alten Seidenstraße und ein Zentrum des Sufismus. Manchmal ergeben sich am Rande Gespräche mit Iranerinnen und Iranern.

An einem Abend saß ich noch etwas länger auf der Terasse des Hotels. Nicht weit entfernt saß ein Iraner mittleren Alters der über sein Handy das laut gestellt war telefonierte. Zwischendrin fragte er mich auf englisch wo ich denn herkomme und als ich ihm sagte aus Deutschland fing seine Gesprächspartnerin am Telefon an auf deutsch zu sprechen und schickte mir herzliche Grüße aus Hamburg. Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass sie vor 16 Jahren nach Deutschland kam und nun dort in Hamburg lebt. Der Mann mir gegenüber ist ihr Bruder und sie telefonieren regelmäßig über WhatsApp. Schnell will sie wissen, wie mir der Iran gefällt, ob ich mit dem Essen zurecht komme, machte Vorschläge für meine weitere Reiseroute und erkundigte sich, ob ich das Klima vertrage. Sie hätte sich ja mittlerweile an Hamburg gewöhnt aber das Wetter sei einfach zu schlecht: oft kalt und regnerisch. Ich schlage ihr vor doch nach Süddeutschland zu ziehen worauf sie nur lachend antwortet: „Ich bin einmal ausgewandert und ich will nicht nochmal auswandern!“ Eine interessante Perspektive für einen Umzug von Nord- nach Süddeutschland. Bei den Versuchen etwas mehr über die Hintergründe ihrer „Auswanderung“ nach Hamburg zu erfahren verabschiedet sie sich höflich, wünscht mir alles Gute und das Telefonat geht auf Farsi weiter.


Später kommen zwei weitere junge Männer hinzu. Schnell beginnen wir auf englisch ein Gespräch. Beides sind Geschäftsleute, die oft auch in Deutschland unterwegs sind. Sie vermitteln Geschäfte zwischen Deutschland und dem Iran im Bereich von Maschinen und elektrischen Geräten und unterstützen deutsche Unternehmen im Aufbau von Filialen im Iran. Wir kommen auch in den Austausch über die aktuelle politische und ökonomische Situation im Iran und der gesamten Welt. Mit den gegenwärtigen Machtverhältnissen im Iran sind sie zufrieden gibt es doch eine gewisse Öffnung des Landes und eine Phase der inneren Ruhe. Für ihre Geschäfte ist das sehr gut und diese laufen hervorragend. Deutschland sei mittlerweile der wichtigste Handelspartner des Iran. Die Folgen des Embargos seien zwar immer noch zu spüren – vor allem im medizinischen Bereich – aber vor allem im Nahrungsmittelbereich gäbe es für vieles mittlerweile iranische Produkte. Im Straßenbild sind alle europäischen Autohersteller vertreten allerdings ist eine Dominanz französischer Automarken auffällig. Beide sind sehr gut über die politischen Entwicklungen in Deutschland und den Ausgang der Bundestagswahl vor 14 Tagen informiert und gespannt, wie die neue Regierung aussehen wird. Wir alle teilen die Sorge über die unberechenbare Politik von Trump und die Folgen eines aufgekündigten Atomdeals.

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