Ein Abend mit Foad Tohidi

Neben der Stadt Yazd gehört auch Kerman zu den Zentren des Sufismus. An einem Abend hatten wir Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem Sufimeister Foad Tohidi.


Neben Der Stadt Yazd gehört auch Kerman zu den Zentren des Sufismus. An einem Abend hatten wir Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem Sufimeister Foad Tohidi.

Seit 35 Jahren ist Foad Tohidi auf dem Weg eines Sufimeisters. Damit steht er in der Tradition seiner Familie. Sein Zugang zum Sufismus ist die Musik und so lag auch sein Beruf Musiker zu werden nahe. Er spielt vor allem traditionelle Musik aus der Region Kerman. Sowohl bei Amazon wie auch bei iTunes gibt es drei seiner Alben mit traditioneller Musik zu kaufen. Im April nächsten Jahres geht er auf eine Tournee nach Europa.

Am Abend sind wir in sein Haus eingeladen. Es liegt in einem Randbezirk von Kerman und lässt von außen erstmal nicht erkennen, dass hier ein Sufimeister wohnt. Unten im Keller ist ein großer Probenraum und sein Büro mit vielen Bildern die ihn, seine Familie und andere Sufimeister zeigen; ebenso Instrumente und alte Erinnerungsstücke aus den Hochzeiten des Sufismus. Im gegenwärtigen Iran haben es Sufis schwer. Der schiitische Islam in seiner iranischen Ausprägung tut sich sehr schwer mit dieser Tradition bis hin zur kompromißlosen Ablehnung.


Zusammen mit Musikerinnen und Musikern der Musikhochschule Kerman‘s probt er an diesem Abend in seinem Keller und wir wir bekommen zunächst ein Konzert traditioneller iranischer Musik zu hören. Nach der Probe verabschieden sich einige der Musikerinnen und Musiker und es kommen neue zu einer Session mit Sufimusik.
Diese Musik ist schwer zu beschreiben. Es sind Improvisationen die traditionelle Rhythmen aufnehmen und der musikalische Gebrauch von Worten – oft einer der Namen für Gott – die sich rhythmisch steigernd zu ekstatischen Zuständen der Musiker führen können. Ziel ist die Einswerdung mit Gott oder radikal formuliert: „Gott werden“. An diesem Punkt setzt dann auch die Kritik der orthodoxen Theologie an.
Sufismus ist zunächst ein Sammelbegriff für die mystischen Traditionen im Islam, die asketische Tendenzen oder eine spirituelle Orientierung aufweisen. Die ersten Sufis soll es nach islamischer Überlieferung schon zu Zeiten Mohammeds gegeben haben. In unserem Gespräch mit Foad Tohidi hebt dieser hervor, dass der Sufismus traditionell für alle Religionen offen ist wenn er auch seine primäre Heimat im sunitischen und schiitischen Islam hat. Er beschreibt die unterschiedlichen Stufen auf dem Weg eines Sufis: Abstand von der sinnlischen Wahrnehmung – Aufgabe des Verhaftetseins an den individuellen Eigenschaften – Sterben des Ego – Nähe zu Gott und letztlich die Auflösung in das göttliche Prinzip. Die Musik ist eine Form diesen Weg zu gehen und in der Musik diese Nähe zu Gott punktuell zu erfahren. Der Begriff der Liebe spielt eine zentrale Rolle und durch die Liebe wird der Sufi letztlich zu Gott geführt.

Es gibt eine reichhaltige Literatur und Poetik von Sufis und ich erinnere mich an eine Begegnung in Kaschmir mit einem alten Muslim auf einem Hausboot auf dem Dal Lake der mir sehr eindrücklich erzählte, dass der Islam in Kaschmir ursprünglich stark vom Sufismus geprägt war und damit auch sehr friedlich gewesen sei. Die heutigen oftmals gewalttätigen Formen des Islamismus in Kaschmir seien den Bewohnern eher fremd und würden von außen in die Region gebracht.

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