Zoroastrier, Juden und Christen – Religiöse Minderheiten im Iran

Im Verlaufe der Reise haben wir Gelegenheit verschiedene religiöse Orte dieser drei Religionsgemeinschaften zu besuchen und mit Vertretern ins Gespräch zu kommen. Zuletzt mit einem Mitglied der armenischen Gemeinde in Esfahan.
In der Geschichte des Irans wurden immer verschiedene Religionen geduldet. Einige Städte wie Esfahan besitzen bis heute armenische, jüdische und zoroastrische Viertel. An einem Abend haben wir Gelegenheit zum Gespräch mit einer Professorin der Deutschen Fakultät an der staatlichen Universität von Esfahan. Sie erzählt, dass sie in einem schiitischen Dorf in unmittelbarer Nähe zu einem armenischen Dorf aufgewachsen ist und eine friedliche Koexistenz der Alltag war.
In der Islamischen Republik hat jede Religion mindestens einen Vertreter in der Konsultativen Versammlung. Eine religiöse Unabhängigkeit scheint gewährleistet zu sein. Allerdings müssen sich alle an die für Iranerinnen und Iraner gültigen islamisch bestimmten Regeln wie zum Beispiel die Bekleidungsvorschriften halten. Amnesty International schreibt in seinem Jahresbericht 2017 zum Iran: „Anhänger der Baha’i-Glaubensgemeinschaft, Sufis, die Gemeinschaft der Ahl-e Haqq und andere religiöse Minderheiten konnten ihren Glauben nicht frei praktizieren und wurden durch Gesetze und im täglichen Leben diskriminiert, u. a. im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt und bei Erbschaftsangelegenheiten. Dies galt auch für Muslime, die zum Christentum konvertiert waren, und für Sunniten.“ (https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/iran) Öffentliche Werbung für die eigene Religion ist strengstens untersagt und der Religionsübertritt steht unter Strafe.


Trotz dieser Repressalien gibt es lebendige zoroastrische, jüdische und christliche Gemeinden. Unser Gesprächspartner der jüdischen Gemeinde in Esfahan macht uns auf die uralte Präsenz der Juden im Iran aufmerksam. Nach dem Ende des babylonischen Exils durch den Perserkönig Kyros II. Im Jahr 539 v. Chr. sind nicht alle Juden nach Jerusalem zurückgekehrt. Einzelne Gruppen zogen in Richtung Iran und gründeten in Shiraz, Esfahan und Teheran eigene Gemeinschaften. Heute leben noch etwa 10.000 Juden in diesen Städten. In Esfahan hat die Gemeinde rund 1.000 Mitglieder und es gibt 17 Synagogen die auch alle an den hohen Feiertagen geöffnet sind.


Die armenische Gemeinde in Esfahan gibt es seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie wurden damals vom Schah aus dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan nach Esfahan umgesiedelt. Es war in gewisser Weise eine Zwangsumsiedlung zur Sicherung der damaligen Außengrenzen; als Entschädigung erhielten die Armenier neuen Grund und Boden in Esfahan und privilegierten Zugang zum Handel.

Im Museum der armenischen Gemeinde entdecken wir eine Bibel aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist ein Hinweis auf eine deutliche ältere Präsenz der Armenier im Iran.
Unser Gesprächspartner hebt die bis heute bestehende Eigenständigkeit der armenischen Gemeinschaft hervor. Die etwa 5.000 Mitglieder in Esfahan bilden eine Art Parallelgesellschaft mit einem eigenen Bildungssystem und eigener Gerichtsbarkeit im Bereich des Personalrechtes. Die armenische Gemeinschaft genieße bis heute auch in der Islamischen Republik eine hohe Anerkennung. Allerdings ist auch deutlich, dass ein Übertritt vom Islam zum armenischen Christentum verboten ist und unter Strafe steht.

Zoroastrische Feuertempel in Yazd und Umgebung:

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