Evangelische Kirche in Ägypten feiert 500 Jahre Reformation

Zum Abschluss des Reformationsjubiläums haben die evangelischen Kirchen in Ägypten am Wochenende zu großen Feierlichkeiten auch ihre internationalen Partner nach Kairo eingeladen.

Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen europäischen Partnerkirchen, den USA und dem Nahen Osten waren gekommen um ihre Solidarität mit den christlichen Kirchen in Ägypten zum Ausdruck zu bringen. Die Evangelische Kirche in Deutschland war vertreten durch den Ratsvorsitzenden Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

Jubiläumsfeier am 18. November in Kairo unter Beteiligung von Vertretern aller Christlicher Konfessionen in Ägypten, Muslimischer Verbände, Abgeordneten und zahlreicher ökumenischer Gäste aus dem Ausland

In den Feierlichkeiten wurde deutlich, dass es vor allem der Bildungs- und Gesundheitsbereich ist, in dem sich die evangelischen Kirchen seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert für die Menschen in Ägypten engagieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete die Koptische Evangelische Kirche das Entwicklungswerk CEOSS. Mit internationaler Unterstützung – unter anderem von Brot für die Welt – engagiert sich CEOSS in zahlreichen Projekten der Armutsbekämpfung. In der Tradition der Reformation sieht die Koptische Evangelische Kirche heute ihr verstärktes Engagement im interreligiösen Dialog. Am Rande der Feierlichkeiten tagte der Rat für Ökumene und Dialog der Kirche und hat die Ausweitung seines Dialogprogramms für Pfarrer und Imame auf die ländlichen Regionen Ägyptens beschlossen.

Treffen mit dem Rat für Ökumene und Dialog der Koptisch Evangelischen Kirche am Rande der Feierlichkeiten (Links der Vorsitzende des Rates Pfarrer Tharwat Kades)

Bischof Tawados II., koptischer Patriarch von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus

Aus Anlass des Reformationsjubiläums hatte der Papst der Koptischen Kirche Tawadros II. Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirchen Ägyptens und ihre Internationalen Gäste am Vormittag vor den Feierlichkeiten zu einer Audienz empfangen. Immer wieder waren die Koptischen Christen in den vergangenen Jahren gewalttätigen Übergriffen radikaler Muslime ausgesetzt. Der Papst hob in seiner Ansprache hervor, dass der Besuch des Staatspräsidenten as-Sisi 2015 in ihrem Weihnachtsgottesdienst in Kairos Markuskathedrale bis heute nachwirke und als ein wichtiges Zeichen für Toleranz und Religionsfreiheit wahrgenommen werde. Auf die Gemeinschaft der christlichen Kirchen in Ägypten bezogen, mahnte er zusammenzustehen: „wir müssen Christus dienen und nicht den Konfessionen!“

Auf Bitten der Koptisch Evangelischen Kirche und des Rates der Evangelischen Kirchen in Ägypten kam auch ein Treffen mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Abd al-Fattah as-Sisi zustande. Eingeladen war eine Gruppe von Vertretern und Vertreterinnen aus den internationalen Partnerkirchen die zu den Reformationsfeierlichkeiten gekommen waren. Darunter aus der EKHN der für die Ökumenischen Beziehungen zuständige Oberkirchenrat Pfarrer Detlev Knoche. Die Repräsentanten der evangelischen Kirchen in Ägypten betonten in dem Gespräch, dass sich in der Amtszeit des Präsidenten die Situation der christlichen Kirchen spürbar verbessert habe und sie zeigten sich dankbar für die erfahrene Unterstützung von Seiten des Staates beim Wiederaufbau der durch islamistischen Terror zerstörten Kirchen und kirchlichen Gebäude. Die Vertreter der evangelischen Kirchen im Heiligen Land und im Libanon dankten dem Präsidenten für die erfolgreiche Vermittlerrolle im Konflikt zwischen Hamas und Fatah und baten ihn eindringlich die Bemühungen der Palästinenser um einen eigenen selbstständigen Staat zu unterstützen.

In seinen Ausführungen zur Zukunft Ägyptens und bezugnehmend auf die Reformation Luthers sieht Präsident as-Sisi auch den Islam vor notwendigen Reformen um die Bürger- und Menschenrechte zu stärken. Wenn dies in Ägypten gelänge könne es zu einem Modell für die ganze arabische Welt werden. Zugleich machte er aber auch deutlich, dass mit allen Mitteln gegen jegliche Formen des Terrorismus zu kämpfen sei.

Während der Feierlichkeiten wurde auch das Motto der EKHN zum Reformationsjubiläum aufgegriffen: „Gott neu entdecken – Discovering God anew“

Zum Rat der Evangelischen Kirchen in Ägypten gehören 17 Denominationen – darunter die Koptische Evangelische Kirche in Ägypten als die weitaus größte Evangelische Kirche. Seit vielen Jahren bestehen freundschaftliche Beziehungen auf verschiedenen Ebenen zwischen der Koptischen Evangelischen Kirche, Dekanaten und Dialogforen in der EKHN. Aus Ökumenemitteln unterstützt die EKHN das interreligiöse Dialogprogramm der Kirche und den Aufbau einer arabisch sprachigen Evangelischen Gemeinde im Rhein-Main Gebiet.

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