Ein einmaliger Beitrag zum Dialog der Religionen

Heute konnte ich mit dabei sein als in der Evangelischen Kirche St. Peter auf dem Berg in Taunusstein-Bleidenstadt das interreligiöse kalligraphie-Ensembles des pakistanischen Künstlers Shahid Alam der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und nun seinen festen Platz in der Kirche gefunden hat – ein einmaliger und zugleich ein mutiger Schritt!

Ein interreligiöses Kunstwerk mit den zentralen Botschaften der drei abrahamitischen Religionen in einer evangelischen Kirche: in unserer Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und vielleicht in der gesamten Bundesrepublik eine einmalige und mutige Initiative! Ein Zeichen das für Frieden und Versöhnung zwischen den Religionen werben will und das wir gerne finanziell auch aus Ökumenemitteln der EKHN gefördert haben.


Ev. Kirche St. Peter auf dem Berg, Taunusstein-Bleidenstadt

Schon länger gab es die beiden ersten kalligraphisch gestalteten Schrifttafeln die die erste Sure des Koran „Al-Fatiha“ [Text siehe am Ende des Beitrags] und das „Sch’ma Jisrael“ [Text siehe am Ende des Beitrags] darstellten. Sie wurden bereits im Jahr 2012 nach der Ausstellung „Gottespoesie“ vom Künstler erworben.  Nach langer Diskussion im Kirchenvorstand wurde im Jahr 2017  eine dritte Schrifttafel bei Shahid Alam in Auftrag gegeben mit der Bitte, einen Text der christlichen Bibel, einen Auszug aus dem Johannesprolog [Text siehe am Ende des Beitrags], passend zu den beiden vorhandenen Tafeln zu
gestalten.


Shahid Alam vor seinem Kalligraphie-Ensemble in der Kirche

Nun wurden die drei Tafeln in der Kirche St. Peter auf dem Berg in einem Ensemble so installiert, dass die gemeinsamen Wurzeln und die fortwährende Bezogenheit der drei abrahamitischen Religionen zum Ausdruck kommen. Die Aufhängung erfolgt, im Sinne der arabischen und auch hebräischen Schrift, beginnend mit der jüdischen Tafel auf der rechten Seite, über die christliche Tafel in der Mitte, bis zur islamischen Tafel für die jüngste der drei Religionen auf der linken Seite. So werden die Besucherinnen und Besucher der Kirche in den Gottesdiensten und bei anderen Veranstaltungen zum friedlichen miteinander der Religonen ermutigt und an gemeinsame historische Wurzeln erinnert.

Die Kirchengemeinde schreibt dazu:
Die Kirchengemeinde freut sich über die Kalligraphien in der Kirche „Sankt Peter auf dem Berg“. Nicht die Unterschiede zwischen den Religionen, sondern das Erbarmen und die Liebe zueinander sind Gottes Geheiß. Angesichts der weltweit spürbaren Bedrohung des Friedens und des Missbrauchs von Religion setzt die Kirchengemeinde mit dem Kalligraphie-Ensemble ein Zeichen des Friedens, der Toleranz und der Geschwisterlichkeit. Damit verbunden ist der Wunsch, dass die kalligraphischen Darstellungen zum interreligiösen Gespräch anregen. Denn zum Verstehen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ist die Kenntnis des Fremden Voraussetzung.

Am Schluss ein gemeinsames Mahl
Am Ende des Vormittags stand ein gemeinsames Mahl mit koscheren  und halal Speisen. Mit folgenden Gedanken und Gebet  habe ich dazu eingeladen:

Wir sind hier zusammen als Menschen mit ganz unterschiedlichen Biographien, Menschen unterschiedlichen Alters. Verschiedene Kulturen haben uns geprägt und es sind verschiedene Religionen die uns wichtig sind. Uns vereint der Glaube an den einen Gott und die Suche nach Gottes Spuren in dieser Welt und in unserem Leben.
Uns vereint der Glaube, dass wir Gottes Geschöpfe sind, Gott diese Welt geschaffen hat und uns die Verantwortung sie zu bebauen und zu bewahren übergeben hat. Jeden Tag erfahren wir von neuem, dass ihre Früchte uns am Leben halten – Wasser und Brot sind dafür vielleicht die elementarsten Zeichen. Aber wir freuen uns an der Vielfalt der Speisen und Getränke die unser Leben erhalten und bereichern.

Gott, Du bist es der die ganze Welt in Güte ernährt. Gott, Du speist und ernährst alle Geschöpfe. So freuen wir uns jetzt über das Essen, das wir gemeinsam genießen können. Wir danken den Menschen, die es zubereitet haben, denen die es haben wachsen lassen und geerntet haben. Wir danken für den Ertrag des Feldes.
Gott, uns ist bewusst wie ungleich es verteilt ist und dass Menschen in dieser Welt hungern müssen – bestärke uns darin sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzutreten, dass alle satt werden.
So freuen wir uns jetzt über das Essen und die Gemeinschaft die es unter uns stiftet und bitten, Gott, dass es gesegnet sein möge!
Amen!


Zum Künstler
Shahid Alam, geboren 1952 in Lahore – Pakistan, lebt seit 1973 in Deutschland. Er studierte Pädagogik, Kunst, Politikwissenschaften und Europawissenschaften in Dortmund und Aachen. Seit 1996 arbeitet er als freischaffender Künstler in Aachen.
Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eines Wortes, das erst durch die einzigartige Verbindungskunst der Buchstaben entsteht, faszinieren ihn bis heute. Seine Kunst ist entscheidend geprägt von der kulturellen und religiösen Vielfalt in seiner Heimat vor dem Hintergrund der dortigen politischen und wirtschaftlichen Gegensätze. In der Freiheit der europäischen Öffentlichkeit stellt er sie in den Dienst des interkulturellen und interreligiösen Dialogs.
So baut der Künstler Shahid Alam mit seinen kalligraphischen Werken
Brücken zwischen Orient und Okzident.


„Sch’ma Jisrael“
Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig. (Dtn 6,4)
(Text nach reformjüdischer Übersetzung)


„Johannesprolog“
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. … (Johannes 1,1-18)


„Al-Fatiha“
(1) Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
(2) (Alles) Lob gehört Allah, dem Herrn der Welten,
(3) dem Allerbarmer, dem Barmherzigen,
(4) 
dem Herrscher am Tag des Gerichts.
(5) Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.
(6) Leite uns den geraden Weg,
(7)  den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden!
(Übersetzung: Scheich Abdullah As-Samit (F. Bubenheim) und Dr. Nadeem Elyas)

 

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