„Nur das Gewissen fragt: ‚Ist es richtig?‘“

Als Mitglieder der Fachkonferenz des Dezernates 1 Kirchliche Dienste der Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) besuchen wir eine Woche Einrichtungen und Gemeinden der Waldenser auf Sizilien. Unter der Leitung der Dezernentin OKRin Christine Noschka nehmen die Leiter der Abteilungen Fundraising, Schule, Sozialforschung und Statistik, Gesellschaftliche Verantwortung und Ökumene an den Begegnungen auf Sizilien teil. Neben der diakonischen Arbeit und den Bildungseinrichtungen in Palermo und Riesi stehen Begegnungen mit der Flüchtlingsarbeit in Catania und Scicli auf dem Begegnungsprogramm sowie ein Besuch im Hotspot im Hafen von Pozzallo.

Seit 2013 setzen sich die Waldenser gemeinsam mit der Föderation Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) im Rahmen des Projektes MEDITERRANEAN HOPE für Flüchtlinge ein. Das Projekt entstand als Reaktion auf das schreckliche Unglück am 3. Oktober 2013 als vor der Insel Lampedusa 368 Migrantinnen und Migranten starben. Zu dem Projekt gehören eine Beobachtungsstation auf Lampedusa, das Haus der Kulturen in Scicli und ein Service zur Begleitung von Migrantinnen und Migranten auf ihren Wegen durch Italien und Europa. Hierbei nutzt das Projekt die engen Verbindungen mit Gemeinden der Waldenser und Methodisten in Italien und ihre Beziehungen zu Partnerkirchen in ganz Europa – darunter auch die EKHN.

Giovannella Scifo ist die Direktorin des Casa Delle Culture in Scicli und Mitglied der örtlichen Waldensergemeinde. Engagiert erzählt sie von der Arbeit des Zentrums in dem zur Zeit 22 Migrantinnen und Migranten leben. Scicli liegt wenige Kilometer vom Hotspot im Hafen von Pozzallo entfernt. Seit Jahren kommen in dem Hafenstädtchen Flüchtlinge an; einige ihrer Boote liegen noch als Wracks im Hafen.

Dass das Kulturhaus in Scicli und nicht in Pozzallo ist hat damit zu tun, dass hier eine Gemeinde der Waldenser und der Methodisten ist. Aus dem Engagement der Gemeinde ist die Initiative entstanden und wird von vielen Ehrenamtlichen mitgetragen. Das Haus bietet eine Unterkunft für minderjährige, unbegleitete Jugendliche, allein reisende Frauen und für Menschen, die besonderen Schutz brauchen. Gleichzeitig ist es jedoch auch ein Ort für Integration und interkulturellen Dialog! Gemeinsam werden Feste gefeiert, die Migrantinnen und Migranten zu Behörden begleitet und es ist zu einem Ort des Austausches und der Begegnung mit den Einwohnerinnen und Einwohnern von Scicli geworden. Darüberhinaus gibt es professionelle psychologische Hilfe wenn nötig. Als Mitglied einer Kirche die oft sehr versäult denkt und handelt, sind wir beeindruckt von der engen Verbindung von gemeindlichem Leben, dem sozialen Engagement der Gemeindeglieder für die Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten und die zugleich hohe Professionalität in der Begleitung. Das weite Netz der Waldenser und Methodisten in Italien sowie ihre Mitarbeit in ökumenischen Netzwerken in Italien und Europa hilft die Migrantinnen und Migranten auch weiter zu begleiten wenn sie Scicli verlassen. Nach ihrer Motivation gefragt, verweist Giovannella Scifo auf ein Zitat Martin Luther King’s: „Die Angst fragt: ‚Ist das sicher?‘ Die Politik fragt: ‚Kommt das beim Volk an?‘ Die Eitelkeit fragt: ‚Sieht man das gut?‘ Und nur das Gewissen fragt: ‚Ist es richtig?‘“

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