Synode verabschiedet Resolution gegen Antisemitismus

Nach der Debatte um die weltweite Gefährdung von Menschenrechten und Glaubensfreiheit hat die Synode der EKHN eine deutliche Resolution gegen den wachsenden Antisemitismus verabschiedet und so die Solidarität mit allen Menschen jüdischen Glaubens deutlich zum Ausdruck gebracht.

After the debate about the worldwide threat to human rights and religious freedom, the Synod of the EKHN passed a clear resolution against the growing anti-Semitism and thus clearly expressed solidarity with all people of Jewish faith. 

Zur Resolution im Wortlaut- to the resolution in its wording

To the English Translation please scroll down

Resolution im Blick auf den zunehmenden Antisemitismus*

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nimmt mit großer Sorge zur Kenntnis, dass in unserem Land und darüber hinaus in unverhohlenen und dreisten Formen antisemitische Äußerungen und judenfeindliche Angriffe zunehmen. Die Angriffe auf Jüdinnen Juden in Berlin, das Mobben von jüdischen Schülerinnen und Schülern, antisemitische Schmierereien und NS-Symbole auf Grabsteinen und Briefkästen, telefonische Drohungen sowie judenfeindliche Kommentare und antisemitische Lieder im Internet und das Delegitimieren des Staates Israel sind gänzlich unerträglich und dies wollen wir nicht hinnehmen.

Wir erinnern als Evangelische Kirche in Hessen und Nassau daran, dass in kirchlicher Lehre und Liturgie über Jahrhunderte hinweg eine antijüdische Haltung verbreitet wurde, die mit zur Durchsetzung des rassistischen Antisemitismus der Neuzeit beigetragen und den Gewaltverbrechen der NS-Diktatur im Holocaust den Boden bereitet hat. An der langen Geschichte des Antijudaismus und Antisemitismus in Europa sind wir als Kirche mitschuldig. Deshalb weisen wir jede Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Reiches und eine Infragestellung der Erinnerungskultur in Deutschland zurück.

Wir sind dankbar für die in den letzten Jahren gewachsenen Beziehungen zu den jüdischen Gemeinden und deren Vertreterinnen und Vertreter. Wir schätzen sehr das gewachsene Vertrauen von jüdischer Seite zu uns als Kirche! Diese Beziehungen wollen wir weiter vertiefen und pflegen. Mit allen unseren Möglichkeiten wollen wir uns gegen das Wiederaufflammen des Antisemitismus stellen!

In der Anerkenntnis unserer Schuld und unserer Verbundenheit mit den Jüdinnen und Juden spüren wir als Synodale die grundlegende Verpflichtung, judenfeindliche Äußerungen und Handlungen aufzudecken und engagiert gegen sie vorzugehen.

Wir erinnern an die Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948, die Antisemitismus als „Sünde wider Gott und die Menschheit“ verurteilt hat.

Wir halten daran fest: Jede Form von Judenfeindschaft ist unvereinbar mit dem christlichen Glauben!

Wir begrüßen die Berufung Antisemitismusbeauftragter durch die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz und hoffen, dass dadurch weitere geeignete Möglichkeiten zur Aufdeckung, Bekämpfung und Überwindung antisemitischer Einstellungen und Vorhaben entstehen.

Wir fordern unsere kirchlichen Bildungseinrichtungen und politisch Verantwortliche auf, auf die Zunahme von Antisemitismus mit verstärkten Bildungs- und Präventionsmaßnahmen zu antworten. In den Schulen darf es kein Verdrängen antisemitischer Vorfälle geben.

Wir ermutigen dazu, geeignete Zeichen der Solidarität und der Pflege guter
Beziehungen zu jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn zu setzen.

Wir wollen uns vertieft dafür einsetzen, dass die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft unsere Kirchengemeinden und kirchlichen Häuser als solidarische Orte erfahren, in denen Christinnen und Christen ihnen mit Respekt und Anerkennung begegnen.

* Vorlage des Kirchensynodalvorstandes mit Unterstützung des Zentrums Oekumene und Berücksichtigung der Stellungnahme des Theologischen Ausschusses


Resolution in view of the increasing anti-Semitism*
(unauthorized translation)

The Synod of the Protestant Church in Hesse and Nassau notes with great concern that in our country and beyond anti-Semitic statements and anti-Jewish attacks are increasing in blatant and audacious forms. The attacks on Jews in Berlin, the mobbing of Jewish schoolchildren, anti-Semitic graffiti and Nazi symbols on gravestones and mailboxes, telephone threats as well as anti-Semitic commentaries and anti-Semitic songs on the Internet and the delegitimization of the state of Israel are completely intolerable and we do not want to accept this.

As the Protestant Church in Hesse and Nassau, we recall that an anti-Jewish attitude has been spread over centuries in church teaching and liturgy, which has contributed to the implementation of racist anti-Semitism in modern times and prepared the ground for the violent crimes of the Nazi dictatorship in the Holocaust. We as the Church are complicit in the long history of anti-Judaism and anti-Semitism in Europe. Therefore we reject any trivialisation of the crimes of the Third Reich and any questioning of the culture of remembrance in Germany.

We are grateful for the relations with the Jewish communities and their representatives that have grown in recent years. We greatly appreciate the growing trust from the Jewish side in us as a church! We want to deepen and cultivate these relationships further.

In acknowledging our guilt and our attachment to the Jews, we as members of the synod feel a fundamental obligation to uncover anti-Semitic statements and actions and to take committed action against them.

We recall the founding assembly of the World Council of Churches in 1948, which condemned anti-Semitism as a „sin against God and humanity“.

We hold fast to it: Every form of hostility towards the Jews is incompatible with the Christian faith!

We welcome the appointment of anti-Semitism commissioners by the states of Hesse and Rhineland-Palatinate and hope that this will create further suitable opportunities for uncovering, combating and overcoming anti-Semitic attitudes and projects.

We call on our church educational institutions and political leaders to respond to the increase in anti-Semitism with intensified educational and preventive measures.

We encourage appropriate signs of solidarity and the cultivation of good relations with Jewish neighbours.

We want to work more deeply to ensure that the members of the Jewish community experience our parishes and church houses as places of solidarity in which Christians treat them with respect and recognition.

* Presentation of the Synodical Board with the support of the Ecumenical Centre and consideration of the opinion of the Theological Committee.

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